Viele meiner Kundinnen würden gerne ansprechend und lebendig schreiben – und das, ohne sich allzu sehr zu plagen. Denn was sie erleben, ist oft das Gegenteil. Entweder sie verzichten gleich darauf Textbeiträge zu erstellen oder sie schieben es unendlich lange vor sich her, sitzen dann blockiert vor dem weißen Blatt, quälen sich mit Selbstzweifeln und benötigen schließlich Stunden, um ein paar Zeilen zu schreiben. Entsprechend angestrengt lesen sich die Ergebnisse. Die KI macht es kaum besser; zumindest nicht für diejenigen, die sich gerne als Persönlichkeit in ihren Texten zeigen und entsprechende Resonanz erzielen wollen.
Wie bereits in Teil 1 meiner Reihe zum Thema „Als Coach schreiben“ erwähnt, darf Schreiben meines Erachtens durchaus Mühe machen. Dabei denke ich in erster Linie an die Zeit und Energie, die es braucht, um
- Klarheit darüber zu gewinnen, wen und was Du mit Deinem Text erreichen willst
- Dich in der Tiefe mit dem Thema Deines Textes auseinanderzusetzen
- Deinen persönlichen Schreibstil zu entwickeln und zu kultivieren
Textkonzept und -gerüst erstellen
Bevor Du beginnst zu schreiben, solltest Du als erstes ein kleines Textkonzept erstellen. Das braucht nicht viel Zeit, hilft Dir jedoch, Deine Gedanken zu sortieren.
Professionelle Redakteure entscheiden auf Basis bestimmter Kriterien, ob ein Thema für die Leserschaft des jeweiligen Mediums interessant ist. Entsprechende Kriterien findest Du in den Autorenhinweisen vieler Fachzeitschriften, hier zum Beispiel der Training Aktuell. Im Wesentlichen kannst Du diese Kriterien auch für Dein Textkonzept verwenden.
Für wen, in welcher Situation schreibst Du den Beitrag?
Idealerweise hast Du dabei konkrete Menschen vor Augen, möglicherweise Kund*innen, die genau mit diesem Thema und entsprechenden Fragen zu Dir kommen.
Was willst Du Deinen Leserinnen mitgeben?
Was erfahren Deine Leserinnen? Welche Hilfestellungen gibst Du ihnen? Warum lohnt es sich für sie, Deinen Beitrag zu lesen? Was unterscheidet Deine Ausführungen zum Thema von anderen bzw. schon Bekanntem?
Was ist die zentrale Botschaft Deines Beitrags?
Welche Erkenntnisse sollen bei Deinen Leserinnen hängen bleiben? Welche Veränderung willst Du in ihrem Denken oder Handeln bewirken? Welchen Titel willst Du Deinem Text geben?
Wie willst Du Deinen Text aufbauen?
Welche Aspekte willst Du in Deinem Beitrag behandeln? Wie willst Du die Inhalte gliedern? Wie sieht Deine Argumentationslinie aus? Willst Du Grafiken oder Bilder einbauen?
Sofern Du das Textkonzept nicht für eine Redaktion, sondern nur für Dich erstellst, reicht es, wenn Du zu den verschiedenen Fragen lediglich Stichworte notierst. Es geht hier – wie gesagt – in erster Linie darum, Deinen Ideen eine Richtung zu geben.
Nachfolgend erstellst Du ein Textgerüst. Das heißt, Du definierst einzelne Textabschnitte und formulierst erste Zwischenüberschriften. In jeden Abschnitt fügst Du Deine Ideen und Argumente, Inspirationen und Recherche-Ergebnisse, erste Textfragmente und möglicherweise auch Bilder oder Grafiken ein.
Ich finde eine solche Struktur ungemein hilfreich. Dies aus drei Gründen:
1. Ich kann neu hinzukommende Ideen ergänzen, ohne die Struktur zu verlieren
2. Ich kann den Text abschnittsweise – auch über einen längeren Zeitraum – erstellen
3. Ich starte nicht vor einem leeren Blatt mit dem Schreiben
Dein Thema durchdringen
Bereits im zweiten Teil meiner Reihe hatte ich aufgezeigt, dass es sinnvoll ist, ein Thema so klein und konkret wie möglich zu machen. Auf alle Fälle ist das ein guter Anfang, um es in der Tiefe zu durchdringen. Aus meiner Sicht braucht es jedoch noch mehr. Nämlich die Bereitschaft und Ausdauer, sich seine eigenen Gedanken zu machen, statt sich mit dem zufrieden zu geben, was einem die Google- oder KI-Recherche zum Thema liefert.
Denn wozu schreibst Du als Coach? Um Deine Positionierung zu untermauern, Deine Kompetenz zu belegen, Dich als Persönlichkeit zu zeigen. Es geht um Merk-Würdigkeit, um Vertrauen, um Resonanz. Das alles erzielst Du nicht, wenn Du nur wiedergibst, was es überall sonst schon zu lesen gibt, nichts wirklich Eigenes in Deine Beiträge bringst.
„Drück Dich klar aus!“ war ein Appell, den ich als Kind oft von meiner Mutter gehört habe. Nun sind ja manche Botschaften, die wir von unseren Eltern als Kinder hören, nicht unbedingt nützlich, aber für diese bin ich meiner Mutter dankbar. Denn dieser Appel in meinem Hinterkopf lässt mich beim Schreiben immer wieder hinterfragen: Ist es genau das, was ich sagen will? Trifft das den Kern? Habe ich die wesentlichen Aspekte erfasst? Ist die Hinleitung schlüssig, die Argumentation einleuchtend?
Zweifelsohne ist dieses Hinterfragen mühselig. Es kann dazu führen, dass Du anfängliche Ideen verwerfen, Deinen Beitrag umbauen, bereits Geschriebenes ad acta legen musst. Oft kannst Du dabei aber auch einiges – nicht nur für Deine Kundinnen, sondern auch für Dich – Neues erschließen. Vor allen Dingen jedoch kannst Du Dich am Ende mit einem Beitrag zeigen, hinter dem Du voll und ganz stehen kannst. Einem Beitrag, der klar Deine Position und Deine Botschaften rüberbringt und – idealerweise – Wirkung bei Deinen Leserinnen erzielt.
Deinen eigenen Stil kultivieren
Ich erlebe immer wieder, dass sich Menschen beim Schreiben seltsam verkünsteln. Das führt zu Schachtelsätzen, Substantiv-Konstruktionen, einer Ansammlungen von fachsprachlichen Formulierungen, Buzzwords und oftmals gänzlich blutleeren Texten. Lies Dir das, was Du schreibst, laut vor. Würdest Du so sprechen? Wenn nicht, schreib es um.>
Oder schreib am besten gleich so wie Du sprichst. So wie Du auch im Kontakt mit Deinen Kundinnen oder Kolleginnen sprichst. Nutze dafür gerne für Dich typische Formulierungen und Ausdrücke. So kannst Du Dich auch über Deine Sprache in Deiner Einzigartigkeit zeigen.
Also sprich schreibend unbefangen drauflos. Schreib, was Du in Gedanken Deinen Kund*innen sagst, vielleicht schon oft gesagt hast, einfach runter. Gerne gleich längere Textpassagen. Beim Reden legst Du auch nicht jeden einzelnen Satz auf die Goldwaage, ehe Du ihn aussprichst (zumindest meistens nicht).
Versuch Dich dabei von der Vorstellung zu lösen, den perfekten Text zu schreiben. Wichtig ist erstmal, dass Du etwas aufs Blatt bringst. Der Feinschliff kommt später. Dazu mehr in meinem nächsten Beitrag meiner kleinen Reihe zum Thema „Schreiben für Coaches“.
In Teil 1 zeige ich auf, warum es sich für Dich als Coach lohnt regelmäßig zu schreiben.
In Teil 2 erfährst Du, wie Du passende Themen findest.
In Teil 4 lernst Du nützliche Routinen für Deinen Schreibprozess kennen (coming soon)







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