Biografie-Splitter: Es muss nicht immer die klassische Lebenserzählung sein

Biografie-Splitter – oder das etwas andere „Über mich“

Kategorie(n): Identität | Positionierung

Unsere Biografie prägt und spiegelt unsere Identität, weshalb sie meist am Anfang meiner Profilberatung steht. Dabei muss es nicht immer die klassische Lebenserzählung sein, um ein Bild von sich zu zeichnen. Oft sagen gerade die kleinen Eigenwilligkeiten, Interessen, Erlebnisse und Erfahrungen viel über einen Menschen aus. Ich habe hier mal einige zu mir zusammengetragen. Erstaunlich, was da alles so zusammenkommt, wenn man mal anfängt, darüber nachzudenken.

  1. Ich bin in Westberlin geboren. Einen Monat nach dem Besuch von John F. Kennedy, bei dem er gesagt hat: Ich bin ein Bärliner. Noch heute zieht es mich immer wieder in meine Geburtsstadt. Ich mag dieses konstant Improvisierte in Berlin.
  2. Ich war bundesweit eines der ersten Kinder in der musikalischen Früherziehung, Damals (1967) war das ein Pilotprojekt in Berlin. Mit 6 Jahren habe ich Geige gelernt. Heute bevorzuge ich es, in Uschis Djembeschule zu trommeln. Zudem liebe ich Circle-Singing.
  3. Ich hatte viele Jahre lang Angst vor Rolltreppen, nachdem ich einmal erlebt hatte, wie sich der Gummistiefel eines Kindes auf der Rolltreppe im KaDeWe verfangen hatte.
  4. Ich war zu meinem Leidwesen eine echte Brillenschlange. Das bin ich noch heute, aber inzwischen schauen die Brillen ja Gott sei Dank nicht mehr schlimm aus.
  5. Ich hatte als Kind einen Schmucktick, durfte mir jedoch keine Ohrlöcher stechen lassen. Ich habe mir dafür alles an Schmuck umgehängt, was ich hatte. Meine Leidenschaft für Ohrringe habe ich dann später exzessiv ausgelebt.
  6. Das Einzige, was ich mir jemals in meinem Leben gebrochen habe, war die linke Schulter. Dabei hätte ich so gerne – wie mein Cousin – mal ein Gipsbein oder zumindest einen Gipsarm gehabt.
  7. Ich bin eine Leseratte, bin es, solange ich denken kann. Bei Filmen schlafe ich meist ein (außer im Kino). Einer meiner Lieblingsfilme ist „Schwarze Katze, weißer Kater“ (habe leider keinen guten Link dazu gefunden).
  8. Wie viele Menschen meiner Generation war ich als Jugendliche bei der großen Demo gegen die Cruise-Missiles-Stationierung in Deutschland. Zwei Jahre später war ich in Israel. Dort Menschen zu begegnen, die Angehörige und Freunde im Jom Kippur Krieg verloren hatten, wie sehr dort die Kriegsbedrohung für Menschen in meinem Alter Alltag war, hat mir bewusst gemacht, wie billig es ist, Position zu beziehen, wenn man nicht betroffen ist.
  9. Ich bin gelernte Schreinergesellin. Meine Ausbildung habe ich in einem türkischen Familienbetrieb absolviert. Ich war dort nicht von Anfang an willkommen und akzeptiert, aber ich habe mir meinen Platz erobert. Eine für mich in vielerlei Hinsicht lehrreiche Zeit. Nachdem ich wusste, was harte Arbeit bedeutet, habe ich mein Studium um so mehr genossen.
  10. Zum Ende meines Studiums habe ich von meiner Mutter und meinem Onkel meinen ersten PC geschenkt bekommen. Er hatte eine Festplatte mit 40 MB und ich war seinerzeit der festen Überzeugung, dass ich die niemals im Leben brauchen würde. Mein Mann hat sich kurze Zeit später eine Festplatte mit 120 MB gekauft – für 1.200 DM!
  11. Ich kann mich schnell und gerne aufregen. In den Anfängen meiner beruflichen Karriere habe ich mich oft mit meinen Chefs angelegt. Während meiner Zeit als Beraterin bei Kohtes&Klewes hat es dann der von mir sehr geschätzte Dr. Zimmermann geschafft, mich eines Besseren zu belehren, ohne mir die Flügel zu stutzen. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar.
  12. Bei Tutengag (SWR) lache ich mich tot. Warum gibt es sowas nicht in Bayern? Mein Mann dazu: Die verstehen ja schon kein Hochdeutsch. Wie sollen die dann sowas verstehen? Ich selbst verstehe inzwischen sogar niederbayerisch, tue mich aber nach wie vor schwer mit dem hiesigen Humor.
  13. Ich mag die Nordsee, mit der Ostsee kann ich dagegen gar nichts anfangen. Ebenso kalt wie die Nordsee nur ohne Wind und Wellen. Zu der Nordsee gehören für mich neben dem Wind und den Wellen frisch gepulte Krabben und ein schöner Matjes.
  14. Ich bin keine Sportskanone und hasse Ballspiele. Ich mag mich aber sehr gerne bewegen. Vor allen Dingen gehe ich gerne lange Strecken. Bevorzugt am Meer entlang. Da kann man sich nicht – wie in den Bergen – verlaufen.
  15. Ich trage keine schwarze Kleidung – ausgenommen das kleine (oder mittlerweile ein wenig größere) Schwarze auf Parties. Meine schönsten Kleider und Mäntel habe ich von meinem Mann geschenkt bekommen. Er hat da echt ein gutes Händchen.
  16. Ich bin erst mit 38 Jahren Mutter geworden. Lea ist das schönste Geschenk meines Lebens! Sie studiert aktuell Philosophie und nach Meinung ihrer Professoren ist sie richtig gut in ihrem Fach.
  17. Ich habe noch nie in einer Wohnung ohne Balkon oder Garten gelebt. Am Morgen direkt vor die Tür treten zu können, ist für mich elementar.
  18. Ich mag nur Bitterschokolade, keine helle und schon gar keine weiße. Außerdem mag ich keine Birnen. Schon der Geruch. Ihh bä! Und von Tee bekomme ich Kopfschmerzen. Auch Lakritze bekomme ich nicht runter. Ich kaufe sie dennoch regelmäßig, wenn ich meiner Freundin eine Freude machen will.
  19. Ich fahre nicht gerne längere Strecken mit dem Auto. Ich finde das unsäglich langweilig. Auf mein erstes Auto war ich jedoch sehr stolz: ein oranger VW-Käfer mit einem Haufen politischer Aufkleber, danach kam ein silberner Käfer und dann ein Fiat Panda.
  20. Ich kann Urlaub im Camper nichts abgewinnen. Wir haben das mal ausprobiert. Selten habe ich mich so immobil gefühlt.
  21. Ich habe einen sehr tiefen Schlaf und bin ziemlich geräuschunempfindlich. Früher brauchte ich mehrere Wecker, um wach zu werden.
  22. Ich liebe Tiere. Mein erstes Haustier war ein Meerschweinchen namens Mucki. Mucki ist mit einem Jungen im Bauch aus der Zoohandlung zu uns gekommen. Später hatte ich einen Dackel und heute ist ein Husky-Elo-Mix Teil unserer Familie.
  23. Vor einigen Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Mann ein Meisenjunges aufgezogen und es geschafft, es auch wieder an das Leben draußen zu gewöhnen. Seither hängen mehrere Nistkästen in unserem Garten. Die Meisen polstern sie unter anderem mit den Haaren aus, die unsere Hündin Lilli draußen verliert.
  24. Ich war 2003 eine der ersten Beraterinnen, die sich auf das Thema Profilschärfung und Positionierung von Coaches spezialisiert hat. Damals bin ich mit meinem Claim „Identität finden – Profil zeigen“ an den Start gegangen und er passt noch heute.
  25. Eine meiner ersten und treuesten Kundinnen ist Frau Urick. Sie war 2006 bei mir in der Profilberatung und danach bereits zwei Mal in der Repositionierungsberatung. Zudem schreibe ich jedes Jahr den Text für ihre Weihnachtsmailings. Weil viele so schön sind, hat sie sie vor einiger Zeit in einem kleinen Buch zusammengestellt.
  26. Ich bin sehr flexibel und kann mich für fast jede spontane Aktion begeistern. Mein Mann sieht in mir hingegen eher die Planerin. Nun ja, ich denke, die Kombination aus Vorausschau und Flexibilität ist in vielen Lebensbereichen sehr nützlich.
  27. Wenn ich noch eine Ausbildung mache, dann zur Sterbebegleiterin. Der Tod hat immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Ich finde es sinnvoll für die eigene Lebensgestaltung, sich seiner Endlichkeit bewusst zu sein.

Nachtrag: Ich kann mich für die Zahl 9 begeistern. Ist es nicht faszinierend, dass die Quersumme jeder mit 9 multiplizierten Zahl immer 9 ergibt? Ein Mathematiker hätte dafür zweifelsohne eine simple Erklärung. Die interessiert mich aber nicht. Auf langen, langweiligen Hundespaziergängen (unsere alte Hündin braucht inzwischen 1 Stunde für 1 km) gehe ich manchmal die wildesten Rechnungen mit der Zahl 9 durch. In diesem Sinn finde ich, dass 27 Fakten über mich eine gute Zahl sind. Ursprünglich waren es 90 😉


Und hier geht es zu meinem klassischen Über mich

Ich freue mich, wenn Sie den Beitrag teilen.

4 Kommentare

  1. Liebe Katrin Fehlau, obwohl das nun schon 16 Jahre her ist, dass ich Ihr wunderbares Coaching bzgl. „Selbständigkeit ja oder nein“ wirklich genießen durfte, freue ich mich umso mehr, durch Ihre ‚Nuggets‘ in Kontakt zu bleiben. Und diese Ausführungen des „Über mich“ fand ich zum Einen sehr interessant – zu sehen, was steckt denn noch hinter dieser äußerst sympathischen Dame – und zum Zweiten habe ich Ihre Zeilen aufgesogen: Sie können in der Tat sehr gut schreiben! Beste Grüße von einem immer noch sehr dankbaren Siegfried Lachmann, der durch die Zeit mit Ihnen einen klaren Blick für die Zukunft bekommen hat.

    Antworten
    • Lieber Herr Lachmann, dank Ihnen für Ihren schönen Kommentar! Ich staune immer wieder, wenn mir Kunden wie Sie schreiben: „Ich war vor xy Jahren bei Ihnen.“ Ich kann mich sehr gut an die Arbeit mit Ihnen erinnern, die mir sehr viel Freude gemacht hat 🙂 Und dass, unser Coaching Sie Richtung Zukunft weitergebracht hat, freut mich einmal mehr. Wir bleiben weiterhin in Kontakt, mit lieben Grüßen, Katrin Fehlau

      Antworten
  2. Hallo Katrin – ganz wunderbar und danke für Deine Offenheit und gleichzeitig meine eigene Inspirationen, die angetriggert wurden.

    Bei mir ging sofort das Kopfkino an und ich habe bei jedem Deiner 27 Punkte sofort Themen gefunden, von denen ich sicher bin: die MÜSSEN bei mir in die Biografiesplitter-Sammlung rein.

    Anmerkung: Teile meiner Biografie-Splitter sind bereits in einer Anlage zu meiner Patientenverfügung enthalten, wo ich ein eigenes Kapitel als Anlage habe, warum ich jederzeit auch aus dem Leben abtreten kann, da mein Leben (zumindest bis heute) wunderbar ausgewogen, absolut erfüllend, und glücklich & überaus zufrieden machend war.
    (dies evtl. auch ein ergänzender Impuls zu Deinem Pkt. #27).

    Liebe Grüße
    S I D N E Y

    Antworten
    • Liebe(r) Sidney, wir sind uns – glaube ich – noch nicht persönlich begegnet. Daher weiß ich leider nicht, ob ich Dich als Frau oder Mann anschreiben soll. Deinen Kommentar und Deine weiterführenden Gedanken finde ich ganz wunderbar. Wie toll, dass bei Dir gleich das Kopfkino angegangen ist! Mir ist später auch noch aufgefallen, dass man um jeden einzelnen Punkt herum wiederum eine ganze Geschichte erzählen könnte. Und was für ein wundervoller Gedanke, Biografie-Splitter in die Patientenverfügung aufzunehmen. Freut mich sehr zu lesen, dass Du Dein Leben bislang als absolut erfüllend und glücklich beschreibst. Du bist dafür sicher sehr dankbar! Freue mich darauf, Dich bei Gelegenheit zu sprechen und näher kennen zu lernen. Mit lieben Grüßen Katrin

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte auch noch interessant für Sie sein: