Deine Biographie Basis Deiner Marke

Wie Sie Ihr Profil in Ihrer Geschichte finden

Kategorie(n): Profil

Stellen Sie sich vor, in den Tiefen Ihres Unternehmens liegen Goldadern. Sie wissen, dass sie da sind, Sie wissen aber nicht, wie Sie das kostbare Erz zutage fördern. So ungefähr verhält es sich mit der Identität Ihres Unternehmens und dem darin enthaltenen Potential für Ihre Marke. Es ist da, aber nicht so recht greifbar. Es zeigt sich in der Unternehmenskultur. Aber hier verhält es sich ähnlich: Sie hat enormen Einfluss auf das individuelle und kollektive Verhalten, lässt sich aber kaum konkret beschreiben.

Fragebögen – wie sie vielfach von Agenturen verwendet werden (und mit denen ich lange Zeit selber gearbeitet habe) – führen daher nur selten zu wertvollen Erkenntnissen. Davon abgesehen erfreuen sie sich keiner allzu großen Beliebtheit. Kaum einer hat Lust, Fragen zu beantworten wie: Was sind die drei größten Stärken Ihres Unternehmens? Welche Werte leiten Ihr Handeln? Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus?

Geschichten: das Baumaterial für unsere Identität

Deutlich freudvoller und obendrein effizienter ist es, hierfür die menschliche Gabe des Erzählens zu nutzen. Vieles, was wir erleben und erinnern, erzählen wir in Geschichten. Sie sind – wie Christine Erlach und Michael Müller in ihrem Buch Narrative Organisationen schreiben „das Baumaterial für die Konstruktion unserer Identität“.

Ich nutze in meiner Profil- und Markenberatung daher gerne die Methode des narrativen Interviews. Im narrativen Interview begebe ich mich in die Rolle der Zuhörenden und nicht der Fragenden. Konkret heißt das, dass ich Sie frei erzählen lasse und Sie nicht unterbreche oder durch Fragen lenke. So eröffne ich einen Raum, der Sie ermutigt, frei zu erzählen und Ihre unbewusste Sicht auf sich selbst und Ihr Unternehmen zu zeigen.

Dieses Vorgehen finde ich auch deshalb nützlich, weil ich so kaum Gefahr laufe, Sie in eine Richtung zu lenken, die dann am Ende meine und nicht Ihre ist. Wie oft haben meine Kunden beklagt, dass sie sich mit der Marke, die ihr vorheriger Berater für sie entwickelt habe, gar nicht recht identifizieren konnten.

Das narrative Interview: sich in der eigenen Biographie erkennen

Um Ihrer Identität auf die Spur zu kommen, ist es vor allen Dingen hilfreich, Ihren Lebensweg zu beleuchten. Denn der prägt und spiegelt Sie als Mensch und als Unternehmer. Wenn Sie schon länger selbstständig sind, haben Sie den Vorteil, schon auf eine Historie als Freiberufler oder Unternehmer zurückblicken zu können. Wenn Sie Ihr Unternehmen gerade erst gründen, schaue Sie auf Ihren Lebensweg mit Ihren beruflichen und privaten Erfahrungen. Ziel dabei ist in jedem Fall, sich Ihrer selbst bewusst zu werden.

Entsprechende Hinweise finden sich vornehmlich zwischen den Zeilen Ihrer Biographie. Das narrative Interview macht es möglich, die relevanten Faktoren herauszuarbeiten und ins Bewusstsein zu bringen. Manche Menschen tun sich anfangs ein wenig schwer mit diesem offenen Format, doch erfahrungsgemäß überlasst sich bald jeder gerne dem Fluss des freien Erzählens.

Ihre Geschichte – Ihre Wirklichkeitskonstruktion

Ihre Erzählung spiegelt Ihre individuelle Wirklichkeitskonstruktion, Ihre Art und Weise, auf sich, Ihr Leben, Ihr Unternehmen und Ihre Welt zu schauen. Denn selbst dann, wenn wir uns für dieses Interview drei Stunden Zeit nehmen, werden Sie mir kaum Ihr ganzes Leben erzählen können. Sie treffen daher eine Auswahl und schon diese Auswahl sagt etwas über Sie aus. Welchen Erlebnissen und Erfahrungen geben Sie ein besonderes Gewicht, welchen weniger, worüber erzählen Sie gar nichts? Aufschlussreich ist auch, wie Sie erzählen. Nutzen Sie eher passive oder aktive Formulierungen, welche Wörter benutzen Sie besonders häufig? Gemeinsam werten wir Ihre Erzählung aus und identifizieren die roten Fäden, die die Basis bilden für die Entwicklung Ihres Markenprofils.

Wenn Sie diese roten Fäden lieber alleine erarbeiten wollen, sollten Sie sich ebenfalls drei bis vier Stunden Zeit nehmen. Lassen Sie Ihr Leben Revue passieren und halten Sie Ihre Erinnerungen entweder auf Flip-Charts oder DIN-A3-Blättern fest. Anschließend lassen Sie Ihre Notizen ein paar Tage ruhen, ergänzen dann, was Ihnen noch einfällt, schauen erneut alles durch und markieren am Ende maximal fünf kennzeichnende Aspekte. Hilfreich ist es natürlich immer eine zweite Person einzubeziehen, da andere oft mehr sehen als Sie selbst.

Wie Sie anschließend damit weiterarbeiten können erfahren Sie in meinem gratis Workbook. Es ist primär für erfahrene Coaches geschrieben, aber ich kann mir denken, dass Sie auch als Führungskraft oder Unternehmer viele Impulse aus dem Buch nutzen können.

Die kollektive Narration: der Schlüssel zur Biographie Ihres Unternehmens

Wie können Sie nun aber vorgehen, wenn Ihr Unternehmen schon größer ist, wenn Sie 50, 100 oder gar 500 Mitarbeiter beschäfti